Rechtsformen: Definition, Übersicht & Beispiele

1993
Rechtsformen: Definition, Übersicht & Beispiele

Wenn du ein Unternehmen gründen möchtest oder bereits als Selbstständiger tätig bist, ist die Wahl der richtigen Rechtsform entscheidend. In diesem Artikel erhältst du eine Übersicht über gängige Rechtsformen, ihre Definitionen und Beispiele. So findest du heraus, welche Rechtsform am besten zu deinem Vorhaben passt.

Definition: Was sind Rechtsformen?

Rechtsformen sind die gesetzlich festgelegten Grundstrukturen, die Unternehmen und Organisationen hinsichtlich ihrer Haftung, ihrer Finanzierung und ihrer Organisation annehmen können. Die Rechtsform bestimmt unter anderem, wie das Unternehmen geführt wird, wer haftet, wie die Gewinne verteilt werden und welche steuerlichen Regelungen gelten.

Übersicht: Gängige Rechtsformen und ihre Merkmale

Im Folgenden findest du eine Übersicht über gängige Rechtsformen, unterteilt in die Hauptkategorien der Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Personengesellschaften

Personengesellschaften sind Unternehmensformen, bei denen die Gesellschafter im Vordergrund stehen. Die Haftung liegt in der Regel bei den Gesellschaftern selbst, und die Geschäftsführung wird gemeinschaftlich ausgeübt. Hier sind einige Beispiele:

  • GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts): Bei der GbR handelt es sich um die einfachste Form einer Personengesellschaft. Mindestens zwei Personen schließen sich zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Die GbR wird oft von Freiberuflern oder Handwerkern gewählt. Jeder Gesellschafter haftet persönlich, gesamtschuldnerisch und unbeschränkt.
  • OHG (Offene Handelsgesellschaft): Eine OHG ist eine erweiterte Form der GbR, bei der mindestens zwei Gesellschafter ein Handelsgewerbe betreiben. Die OHG wird ins Handelsregister eingetragen und die Gesellschafter haften ebenfalls persönlich, gesamtschuldnerisch und unbeschränkt.
  • KG (Kommanditgesellschaft): Die KG ist eine Sonderform der OHG, bei der es neben den persönlich haftenden Gesellschaftern (Komplementären) auch beschränkt haftende Gesellschafter (Kommanditisten) gibt. Die Haftung der Kommanditisten beschränkt sich auf ihre Einlage.

Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften sind Unternehmensformen, bei denen die Kapitalbeteiligung im Vordergrund steht. Die Haftung ist in der Regel auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Hier einige Beispiele:

  • GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung): Die GmbH ist eine der am häufigsten gewählten Rechtsformen in Deutschland. Die Haftung ist auf das Stammkapital beschränkt, das mindestens 25.000 Euro betragen muss. Die GmbH eignet sich für Unternehmer, die eine Haftungsbeschränkung wünschen und kann sowohl von Einzelpersonen als auch von mehreren Gesellschaftern gegründet werden. Die Geschäftsführung liegt in den Händen der Geschäftsführer, die von den Gesellschaftern bestellt werden.
  • UG (haftungsbeschränkt): Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), oft auch als „Mini-GmbH“ bezeichnet, ist eine abgewandelte Form der GmbH. Sie bietet eine Haftungsbeschränkung wie die GmbH, allerdings mit einem geringeren Mindeststammkapital (ab 1 Euro). Die UG ist insbesondere für Gründer interessant, die über wenig Startkapital verfügen. Allerdings müssen 25% des Jahresüberschusses bis zur Erreichung des Stammkapitals einer GmbH (25.000 Euro) zurückgelegt werden.
  • AG (Aktiengesellschaft): Die AG ist eine Kapitalgesellschaft, bei der das Grundkapital in Aktien aufgeteilt ist. Das Mindestgrundkapital beträgt 50.000 Euro. Die Aktionäre haften nur bis zur Höhe ihrer Einlage. Die AG ist in der Regel für größere Unternehmen oder solche, die den Börsengang anstreben, geeignet. Die Geschäftsführung erfolgt durch den Vorstand, während der Aufsichtsrat die Kontrolle ausübt.

Rechtsformen für Freiberufler und Kleingewerbe

Freiberufler und Inhaber von Kleingewerben haben ebenfalls verschiedene Rechtsformen zur Verfügung, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dazu gehören:

  • Einzelunternehmen: Ein Einzelunternehmer führt sein Unternehmen allein und haftet persönlich und unbeschränkt. Diese Rechtsform eignet sich besonders für Selbstständige und Freiberufler, die alleine arbeiten und kein oder geringes Haftungsrisiko haben.
  • Partnerschaftsgesellschaft (PartG): Die Partnerschaftsgesellschaft ist eine Rechtsform, die speziell für freiberufliche Tätigkeiten entwickelt wurde. Sie kann von mindestens zwei freiberuflich Tätigen, z. B. Rechtsanwälten, Steuerberatern oder Architekten, gegründet werden. Die Haftung kann, abhängig von der Vereinbarung der Partner, beschränkt oder unbeschränkt sein.

Beispiele: Rechtsformen in der Praxis

  • Ein Architekturbüro, das von zwei Architekten geführt wird, könnte eine Partnerschaftsgesellschaft gründen.
  • Ein Handwerker, der alleine arbeitet, könnte ein Einzelunternehmen gründen.
  • Ein Start-up mit mehreren Gründern und hohem Haftungsrisiko könnte eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH gründen.
  • Ein großes Unternehmen, das den Börsengang plant, könnte eine AG gründen.

Die Wahl der richtigen Rechtsform ist entscheidend für den Erfolg deines Unternehmens. Dabei spielen Faktoren wie Haftungsrisiko, Finanzierungsbedarf und die Anzahl der Gründer eine wichtige Rolle. Es ist ratsam, sich vor der Gründung ausführlich über die verschiedenen Rechtsformen zu informieren und gegebenenfalls eine fachkundige Beratung, zum Beispiel durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt, in Anspruch zu nehmen.

Tipps zur Auswahl der passenden Rechtsform

Um die für dein Unternehmen am besten geeignete Rechtsform zu finden, solltest du folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Haftung: Überlege, wie hoch das Haftungsrisiko für dein Unternehmen ist und inwieweit du persönlich haften möchtest. Wenn das Risiko hoch ist oder du deine persönliche Haftung einschränken möchtest, solltest du eine Rechtsform mit beschränkter Haftung in Betracht ziehen.
  • Finanzierung: Manche Rechtsformen haben höhere Anforderungen an das Stammkapital oder Grundkapital, während andere flexibler sind. Überlege, wie viel Kapital du zur Verfügung hast und ob du Investoren an Bord holen möchtest.
  • Gründerzahl: Die Anzahl der Gründer und deren Rollen im Unternehmen können die Wahl der Rechtsform beeinflussen. Einzelunternehmer haben andere Anforderungen als Teams oder Partnerschaften.
  • Organisation und Führung: Die verschiedenen Rechtsformen haben unterschiedliche Anforderungen an die Organisation und Führung des Unternehmens. Überlege, welche Strukturen für dein Unternehmen am besten geeignet sind.
  • Steuerliche Aspekte: Die steuerliche Behandlung der unterschiedlichen Rechtsformen variiert. Hole dir gegebenenfalls fachkundige Beratung, um die steuerlichen Auswirkungen der verschiedenen Rechtsformen auf dein Unternehmen zu verstehen.
  • Formalitäten: Manche Rechtsformen erfordern mehr Bürokratie und Formalitäten als andere. Berücksichtige, wie viel Zeit und Ressourcen du für die Gründung und Verwaltung deines Unternehmens aufwenden möchtest.

Die Wahl der richtigen Rechtsform für dein Unternehmen ist eine wichtige Entscheidung, die sorgfältig getroffen werden sollte. Nimm dir die Zeit, die verschiedenen Optionen zu prüfen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sicherzustellen, dass du die beste Wahl für dein Unternehmen triffst.